08.11.2020

Alarmstufe Rot!

Bewegung mangelhaft …

…überschreibt die APOTHEKEN Umschau in ihrer Novemberausgabe einen Beitrag zum Schulsport und weist auf die vielseitigen gesundheitlichen Folgen des Bewegungsmangels für Kinder und Jugendliche hin. Untermauert wird die schlechte Beurteilung mit den deprimierenden Erkenntnissen aus der „Motorik-Modul-Langzeitstudie“, die von Prof. Alexander Woll am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchgeführt wurde.

Dass sich Jugendliche seit Jahren immer weniger bewegen, ist in Fachkreisen wirklich keine Neuigkeit. Auch Mediziner und Entwicklungspsychologen wiederholen dieses Mantra seit Jahrzehnten; und dennoch scheint bei den politisch Verantwortlichen die Gesundheit ganzer Generationen sowie auch der Bildungswert des Sports nur gut für Sonntagsreden und leere Versprechungen zu sein. Kein weiteres Schulfach wird so großzügig durch Unterrichtsausfall und fachfremden Unterricht übergangen wie der Schulsport.

Und dann auch noch die Corona-Krise!

Prof Albrecht Hummel von der Universität Halle bezeichnet die Corona-Krise als Stresstest, Brennglas und Katalysator zugleich. Im Lockdown werden die schulischen und außerschulischen Sportangebote nahezu stillgelegt und es ist, so Hummel, „schon überraschend, wie eilfertig und grundsätzlich Sportangebote als verzichtbar und nicht systemrelevant angesehen wurden.“ Auch Professor Stefan Willich von der Berliner Charité hält die Einschränkung der Sportmöglichkeiten für falsch, da vor allem die sozialen und emotionalen Kontakte für die Kinder und Jugendlichen unterbunden werden.

Gleichzeitig postuliert Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Julia Glöckler ab 2022 eine Hunde-Gassi-Pflicht, wonach Waldi und Co. zweimal am Tag eine Stunde Auslauf bekommen sollen, damit des Menschen bester Freund ausreichend Bewegung und Zuwendung erhält. Da werden Prioritäten aber gehörig durcheinandergewirbelt.

Was tun?

Die Schulverwaltung, die in diesen angespannten Tagen nicht zu beneiden ist und zweifellos ihr Bestes gibt, um den Schulsport aufrecht zu erhalten, konfrontiert die Schulen mit Vorgaben und Auflagen im schnellen Wechsel. Aktuell gilt die Verschärfung der Corona-Verordnung vom 2. November ( http://lis-in-bw.de/,Lde/Startseite/Schulsport/Sportunterricht+in+Pandemiestufe+3 ). Bisweilen führt dies vor Ort zu Verunsicherung, Kritik und Unzufriedenheit. Deshalb sind die Kollegien umso mehr gefordert, gemeinsam, offensiv und mit gesundem Menschenverstand nach Lösungen zu suchen, um ihre Schüler und natürlich auch sich selbst gegen das Virus zu schützen. Als elementare Präventionsmaßnahme gegen eine mögliche Infektion gilt neben den bekannten AHA-Regeln die Stärkung des eigenen Immunsystems. Bezeichnenderweise wird dies ganz wesentlich durch ausgiebige Bewegung - möglichst in der frischen Luft - durch Stressabbau - ebenfalls erreichbar durch Bewegung - und die Stärkung der sozialen und emotionalen Kontakte mittels gemeinsamem Sporttreiben erreicht. Spätestens an diesem Punkt beißt sich die Katze wieder in den Schwanz.

Es ist zu befürchten, dass Schwimmbäder in naher Zukunft auch für Schulklassen geschlossen bleiben und somit noch mehr Sportgruppen in die Sporthallen drängen werden. Der DSLV BW setzt sich dafür ein, dass die Schwimmbäder für den Schulsport geöffnet bleiben!

Jede Fachschaft/Schule muss – auf der Basis der aktuellen Corona-Verordnung – nicht nur in Bezug auf die Belüftung der Sporthallen bzw. die Wege zu und in den Sporthallen ihr eigenes Konzept entwickeln.

Wir sind der Meinung, dass Sportunterricht – mit Einschränkungen - auch in "Pandemie-Rot-Zeiten" stattfinden kann und muss. Insbesondere jetzt, da das Vereinsangebot fast durchgängig eingestellt werden musste und sich unsere Schüler*innen nur noch im Schulsport bewegen können und dürfen!!!

Bleiben Sie gesund und halten Sie den Schulsport aufrecht!

DSLV Baden-Württemberg

 

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